Lünendonk im Interview mit Alexander Raschke, Etengo AG

15.12.2021

Alexander Raschke Vorstand, Etengo (Deutschland) AG

Alexander Raschke

Vorstand, Etengo AG

Alexander Raschke (36) ist seit Januar 2020 Vorstand der Etengo (Deutschland) AG. Zuvor war er als Director im Segment „Financial Services“ bei der PricewaterhouseCoopers GmbH tätig. Seine Karriere begann der studierte Mathematiker als Unternehmensberater bei KPMG, für die er rund zehn Jahre tätig war.

LÜNENDONK: Etengo zählt zu den bedeutendsten Personaldienstleistern für IT-Freelancer. Wo haben Sie in den vergangenen Monaten die stärksten Veränderungen wahrgenommen, wenn es um die Organisation freiberuflicher Projektarbeit von IT-Fachkräften geht? Und warum?

ALEXANDER RASCHKE: Wir haben in den vergangenen Monaten vor allem erlebt, wie hoch der digitale Nachholbedarf sowie die Dringlichkeit bei unseren Auftraggebern ist, wenn es um die Umsetzung von IT-Projekten und das projektbasierte Staffing von IT-Expertinnen und -Experten geht. Zwar war die Notwendigkeit bereits vor Corona groß, aber die Pandemie hat nun nochmals das Bewusstsein bei vielen Entscheidern dafür geschärft, wie groß der Druck wirklich ist, IT-Freiberuflerinnen und IT-Freiberufler mit entsprechender Projekt- und Branchenerfahrung zu beauftragen, um ihre IT-Landschaften zu modernisieren. Sie haben erkannt, dass das spezielle Fachwissen dieser Experten eine tragende Säule für die erfolgreiche Umsetzung ihrer Zukunftsprojekte ist. Langfristige Investitionen in IT-Infrastrukturprojekte, die in der Vergangenheit aufgrund ihrer außerordentlich hohen Komplexität vielleicht noch aufgeschoben wurden, stehen jetzt ganz oben auf der Agenda. Unternehmen wissen, dass sie durch die kurzfristige Verfügbarkeit externer IT-Fachkräfte ihren Digitalisierungsgrad zügig verbessern können, was wiederum der Wettbewerbsfähigkeit zugutekommt.

LÜNENDONK: Etengo ist bekannt für seine hohe Spezialisierung im IT-Umfeld. Welche Vorteile bringt diese Fokussierung gerade durch den coronabedingten Digitalisierungsschub? Wie profitieren Auftraggeber davon?

ALEXANDER RASCHKE: Durch unsere hohe Spezialisierung sind wir in der Lage, den IT-bezogenen Bedarf jedes Kunden schnell und gezielt zu adressieren. Wir wissen, welche Kompetenzen bei der Modernisierung von Legacy-Systemen wichtig sind, welche Projekterfahrungen DevOps- oder Software-Entwicklerinnen und -Entwickler mitbringen müssen oder auf welche Fertigkeiten es bei Cloud-basierten Themen ankommt. Die Zusammenarbeit mit uns entlastet unseren Kunden. Denn wir haben zum einen alle wichtigen Facetten zu den Fähigkeiten eines Freiberuflers im Blick und organisieren zum anderen die zeit-, budget- und rechtskonforme Umsetzung des Projektes.

LÜNENDONK: Die digitale Transformation verändert zahlreiche Branchen fundamental. In welchen Industrien sehen Sie zukünftig das meiste Potenzial für den Bedarf hochqualifizierter Selbständiger?

ALEXANDER RASCHKE: Wie Sie bereits mit Ihrer Frage andeuten: Die digitale Transformation zieht sich durch alle Branchen und Unternehmen aller Größen. Wobei wir insbesondere großes Potenzial in der Digitalisierung des Mittelstands und der öffentlichen Hand sehen. Eine Branche, die sich fundamental verändert, ist sicherlich die Automobil- und Zulieferindustrie, die sich inmitten eines Strukturwandels befindet und mit der Wende Richtung Elektromobilität und autonomen Fahren stärker auf Software-Expertinnen und -Experten für die Betriebssysteme der Fahrzeuge setzt. Die Software und Vernetzung der Systeme wird künftig zur Herzkammer von elektrisch betriebenen Autos werden, daher ist diese Industrie ein klarer Innovator und Zukunftsmarkt für uns. Besonders viele Anfragen nach IT-Freiberuflerinnen und IT-Freiberufler erhalten wir momentan auch aus dem Finanz- und Bankensektor, der Versicherungswirtschaft, aber auch aus der Versorgungs- und Energiewirtschaft.

LÜNENDONK: Online-Freelancer-Portale drängen in den Markt. Wie gehen Sie damit um? Wo sehen Sie die konkreten Vorteile für Kunden in der Zusammenarbeit mit Etengo?

ALEXANDER RASCHKE: Wir befinden uns in einem freien Wettbewerb. Sowohl die IT-Freiberufler als auch die Unternehmen entscheiden selbst, mit welchen Partner sie zusammenarbeiten möchten. Allerdings bestätigen mir unsere Auftraggeber immer wieder, und  das belegen auch aktuelle Studien, dass die Zuverlässigkeit und fachliche Kompetenz der Ansprechpartnerin oder des Ansprechpartners entscheidende Faktoren bei der Auswahl eines Personaldienstleisters sind. Tatsächlich besetzen wir mehr als jede dritte Projektanfrage erfolgreich. Wir sehen uns als Partner und Berater des Vertrauens für unsere Kunden und Freelancer und bieten über unseren SMART FREELANCING-Ansatz Services an, die ein Online-Portal nicht leisten kann. Denn bei der ganzheitlichen Organisation freiberuflicher Projektarbeit sind Portale kein Ersatz. Es gibt vielfältige organisatorische, legale und zwischenmenschliche Fragestellungen, die vor und im Projekt zu beantworten sind, die über das reine Matching hinausgehen. Deswegen sehe ich einem Vergleich sehr entspannt entgegen.

LÜNENDONK: Welche Rolle spielen Freiberuflerinnen und Freiberufler momentan Ihrer Meinung nach in Deutschland? Hat sich durch die Pandemie etwas verändert?

ALEXANDER RASCHKE: Fest steht: Die Bedeutung freiberuflicher IT-Fachkräfte hat mit der Pandemie nochmals zugenommen. Interessanterweise wurden Mitte 2020 in den Medien Stimmen laut, die davon ausgingen, dass die Krise insbesondere die Freiberuflerinnen und Freiberufler hart treffen würde, da einige Unternehmen temporär ihre Aufträge stoppten oder verschoben hatten. Allerdings stellte sich schnell heraus, dass man zur Beantwortung dieser Frage zwingend zwischen Erfahrungsgrad und Skillset der Selbständigen differenzieren sollte. Unsere erfahrenen Digitalund IT-Spezialistinnen und -Spezialisten hatten weder nennenswerte Auftragseinbrüche noch wesentliche Honorareinbußen. Im Gegenteil, trotz wirtschaftlicher Unsicherheit würden sich laut IT-Freiberuflerstudie ganze 96 Prozent von ihnen jederzeit wieder für die Selbständigkeit entscheiden. Erfahrene IT-Expertinnen und -Experten mussten auch in der Pandemie keine Zukunftsängste haben.

Die Mixed-Workforce, über die wir schon die letzten Jahre gesprochen haben, setzt sich in der Praxis immer mehr durch. Jede dritte externe Fachkraft in IT-Abteilungen ist inzwischen selbständig. Diese Entwicklung freut uns sehr. Vor zwei Jahren gaben rund 70 Prozent der IT-Entscheiderinnen und IT-Entscheider an, in den vergangenen 12 Monaten externe IT-Fachkräfte, wie beispielsweise Freiberuflerinnen und Freiberufler, im Einsatz gehabt zu haben. Dieser Anteil ist aktuell auf 78 Prozent gestiegen. Fakt ist: Die Unternehmen, die Freelancer nur dann einsetzen, wenn es keine interne Alternative gibt, haben eine längst überholte Vorstellung davon, wie Projektarbeit im Mixed-Teams-Ansatz funktioniert.

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