Erfolgreiches Jahr 2019 für Managementberatungen – 2020 mit Fragezeichen

01.04.2020 – Mindelheim

Auch für 2019 blicken wieder zahlreiche Managementberatungen auf ein sehr erfolgreiches Geschäftsjahr zurück. So stieg laut Angaben des BDU e.V. das Marktvolumen in Deutschland um 5,7 Prozent auf 35,7 Milliarden Euro. Auch die ersten veröffentlichten Umsatzzahlen von führenden Beratungsunternehmen stützen diese Entwicklung. So wuchs Porsche Consulting um über 17 Prozent auf 203 Mio. Euro, Simon Kucher um 16 Prozent auf 358 Mio. Euro und BCG laut eigenen Angaben um über 14 Prozent. Auch die Staufen AG, als Vertreter der mittelständischen deutschen Beratungen, verzeichnete 2019 eine positive Geschäftsentwicklung und erzielte mit knapp 8 Prozent Wachstum einen weltweiten Umsatz von rund 70 Mio. Euro.

Bereits zu Beginn des Jahres war klar, dass 2020 für die Kunden der Beratungsunternehmen ein schwierigeres Jahr werden wird. Die Automobilindustrie als wichtigste Kundengruppe ist weltweit mit sinkenden Absatzzahlen, steigenden Anforderungen an die Umweltverträglichkeit (Stichwort: Elektrifizierung des Antriebsstrangs) und der zunehmenden Digitalisierung von Fahrzeug und Produktion konfrontiert. Vor diesem Hintergrund war es nicht überraschend, dass die inhaltliche Ausrichtung von Beratungsprojekten wieder stärker in Richtung Effizienz und Kosten ging. Ähnlich großen Herausforderungen sieht sich auch die zweitwichtigste Kundengruppe, die Banken, gegenüber. Auch hier müssen neue Umsatzquellen erschlossen, zahlreiche Prozesse und IT-Systeme modernisiert und harmonisiert werden, um neuen Wettbewerbern mit flexiblen und kostengünstigen Strukturen begegnen zu können. Für die Beratungen bedeutet diese Entwicklung jedoch nicht, dass weniger Beratung eingekauft wird. Vielmehr benötigen die Kunden Unterstützung in diesen herausfordernden Zeiten. Daher war am Jahresanfang davon auszugehen, dass der Markt zwar weiterhin wächst, sich jedoch die inhaltliche Ausrichtung der Projekte verändert und die Kunden noch stärker auf die Höhe der Beratungsbudgets achten werden.

Zum Ende des ersten Quartals 2020 haben sich die Aussichten aufgrund der aktuellen Corona-Situation allerdings grundlegend geändert. Laut dem Sachverständigenrat der Bundesregierung wird das Bruttoinlandsprodukt 2020 um 2,3 bis 5,8 Prozent schrumpfen – und das wird sich in den Umsatzzahlen der Berater widerspiegeln. Ein Blick auf unsere Langzeitdaten macht dies deutlich.

Hinzu kommt, dass im Gegensatz zur Finanz- und Wirtschaftskrise vor allem die Realwirtschaft betroffen ist. Für Berater bedeutet dies, dass sie derzeit nicht bei ihren Kunden vor Ort arbeiten und akquirieren, sondern nur im Home-Office arbeiten können – was zwar in vielen Fällen, jedoch nicht in allen möglich ist. Speziell bei Beratungsprojekten, die eine umfassende Interaktion mit den Kunden vor Ort benötigen (bspw. Optimierungen in der Produktion oder Logistik), sind Beratungen nun limitiert, da sie in der Regel nicht mehr auf dem Werksgelände arbeiten können. Beratungsunternehmen, die stark strategisch beraten oder Optimierungen im Backoffice durchführen (z.B. Banken und Versicherungen), können dagegen noch laufende Projekte abwickeln. Gespräche mit den Beratungsunternehmen zeigen, dass die aktuelle Lage sehr von Beratung zu Beratung variiert.

Eine jedoch häufiger gestellte Frage ist, wie die Projektpipeline in 2 bis 3 Monaten aussehen wird. Denn momentan kann Akquise nur telefonisch erfolgen und nur noch wenige Unternehmen beauftragen derzeit Beratungsprojekte. Nur wenn diese unbedingt notwendig sind, ist eine Beauftragung in der aktuellen Situation vorstellbar. Natürlich mag es Branchen (z.B. E-Commerce, Health) geben, die eine Ausnahme darstellen. Allerdings werden diese nicht allzu stark ins Gewicht fallen.

Wie für alle andere Unternehmen, wird es daher auch für die Beratungsunternehmen entscheidend sein, wann die übliche wirtschaftliche Tätigkeit wieder aufgenommen werden kann. Sollte dies bereits Ende April der Fall sein, kann 2020 noch ein durchschnittliches Jahr werden.

Wenn Sie in der Zwischenzeit Fragen haben oder gezielt Informationen zu bestimmten Aspekten benötigen, stehen wir Ihnen natürlich gerne zur Verfügung unter j.luenendonk@luenendonk.de.

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