Digitalisierung, Corona, Ukraine, Klimawandel: Der FM-Markt im Spannungsfeld externer Einflüsse

04.04.2022 – Mindelheim

Volkswirtschaften und Gesellschaften haben sich immer gewandelt. Besondere Treiber der Veränderung für das Facility Management sind derzeit die Digitalisierung, der Personalmangel sowie veränderte Anforderungen an Arbeitsplätze, Klimaschutz und Hygiene. Diese Entwicklungen haben eine direkte Auswirkung auf die Dienstleister, die sich an veränderte Kundenerwartungen, neue Arbeitsstrukturen und ein erweitertes Dienstleistungsverständnis anpassen müssen. In diesem Prozess des steten Wandels sieht sich das Facility Management seit einigen Jahren zudem einer Vielzahl gehäufter externer „Schocks“ ausgesetzt – mit vielfältigen und unterschiedlichen Auswirkungen auf den Markt der Gebäudedienstleister. Sicher ist: die VUCA-Welt (Volatility, Uncertainty, Complexity und Ambiguity) macht flexibles und agiles Handeln und eine kurzfristige Anpassungsfähigkeit der Unternehmen wichtiger denn je.

Vielzahl an Krisen fordert das Facility Management

Nach einer Phase der relativen Ruhe sind die Facility-Service-Dienstleiter seit 2015 mit einer Vielzahl von Krisen konfrontiert – die sich teils positiv, teils negativ auf die Geschäfte der Gebäudedienstleister auswirken. Seit 2015 haben mindestens die folgenden Entwicklungen den Markt beeinflusst:

  • Flüchtlingswelle 2014/2015
  • Brexit und Handelsstreit mit den USA und China
  • Aufkommende Digitalisierung, Automatisierung und Personalmangel
  • Nachhaltigkeitsanforderungen spätestens seit der „Fridays-for-Future-Bewegung“ 2018 und die Transformation der Automobilindustrie zu Elektromobilität
  • Corona-Pandemie und die nachhaltige Infragestellung internationaler Lieferketten (und Aufbau von Produktionskapazitäten in Europa)
  • 2022: Ukraine-Krieg und (zumindest vorübergehende Kappung der Wirtschaftsbeziehungen zu Russland und der Wirtschaftsaktivitäten deutscher Unternehmen in Russland)

Aktuellste Herausforderung: der Ukraine-Krieg, dessen Verlauf derzeit noch keine verlässlichen Aussagen über die Schwere der Auswirkungen für die Gesamtwirtschaft und die deutschen Unternehmen zulässt.

Foto: stock.adobe.com/denisismagilov

Was sich allerdings schon während der Corona-Pandemie und nun noch stärker abzeichnet, auch aufgrund von Brexit und Handelssanktionen gegenüber Ländern wie Iran, China und Russland: die globalen Lieferketten funktionieren nicht mehr, wie sie das noch vor einigen Jahren getan haben. Fehlen Kabelbäume aus der Ukraine oder Chips aus Asien, stehen hierzulande ganze Fertigungsstraßen still. Mit kurzfristigen Konsequenzen wie Nachfragedellen auf der einen Seite und dem Reshoring auf der anderen Seite. Dies alles wirkt sich auf Facility Services und den Industrieservice aus.

Lieferketten, neue Industrieansiedlungen, Arbeitsmarkt: Quo vadis?

Für viele Unternehmen ist Deutschland als Standort wieder attraktiver geworden. So haben nicht nur Tesla in Grünheide und Intel mit der geplanten Chip-Fabrik in Magdeburg eine Signalwirkung für andere Branchen und weitere Unternehmen. Für Facility-Service- und Industrieservice-Anbieter bedeuten mehr Gewerbegebäude zusätzliche Kunden und Aufträge. Noch völlig offen ist hingegen die Frage, wie sich die Flüchtlingsbewegung aus der Ukraine langfristig auf den Arbeitsmarkt auswirken wird. Dauert der Konflikt an, werden ukrainische Arbeitnehmer dem deutschen Beschäftigungsmarkt möglicherweise langfristig zur Verfügung stehen – auch der Facility-Management-Branche, die schon seit langem den Fachkräfte- und Personalmangel als große Herausforderung einschätzt.

In jeder Krise steckt eine Chance

Was den Krisen mitunter gemein ist: Sie können durchaus zu zusätzlichen Aufträgen für die Facility-Service-Anbieter führen. So bescherte die Flüchtlingskrise 2015 den Dienstleistern eine Art Sonderkonjunktur durch die beauftragte Betreuung der Flüchtlingsunterkünfte. Auch durch die Corona-Pandemie ergaben sich ungeplante Einnahmen vor allem im Bereich Hygiene, die die Pandemie-bedingten Umsatzeinbrüche zumindest teilweise kompensierten. Der Klimawandel ist nicht nur eine Krise und DIE Herausforderung unserer Zeit, der die Unsicherheit für die Wirtschaftstreibenden mit Hinblick auf Energieversorgung, Wetterextreme und gesetzlicher Bestimmungen und Regularien verstärkt. Er kann auch eine Chance für die Facility-Dienstleister sein, bei ESG-Themen auf neue Produkte und Services zu setzen und die Kunden als beratender Partner auf dem Weg der nachhaltigen Transformation zu begleiten und zu unterstützen.

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Thomas Ball

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