Seit 2023 verzeichnet der deutsche Zeitarbeitsmarkt einen anhaltenden Rückgang. Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Zeitarbeitskräfte in Deutschland lag laut aktuell verfügbaren Daten im Juni 2025 bei rund 621.800; dies sind 7,9 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Damit liegt der Anteil in Bezug auf alle Beschäftigten bei 1,8 Prozent.
Die Ursachen für den Rückgang sind vielschichtig: eine rückläufige Konjunktur, der strukturelle Wandel in der Industrie, geopolitische Unsicherheiten sowie eine gedämpfte Investitionsbereitschaft der Unternehmen. Zudem ist die Wechselbereitschaft der Kandidaten aufgrund der wirtschaftlichen Unsicherheit eher zurückhaltend, sodass offene Positionen schwieriger zu besetzen sind.
Wie wirkt sich das auf die Umsätze der Personaldienstleister aus? Wie entwickeln sich einzelne Branchen? Wie entwickelt sich Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern? Lünendonk gibt einen kurzen Überblick über das Geschäftsjahr 2025 auf Basis aktueller Marktstudien, Konjunkturdaten und Gesprächen.
Konjunkturindex zeigt differenzierte Umsatzentwicklung
Laut Lünendonk Konjunkturindex Zeitarbeit stagniert die durchschnittliche Umsatzentwicklung aller Zeitarbeitsunternehmen im Vergleich zum Vorjahr. Die Kennzahlen zeigen, dass sich kleinere Unternehmen positiver entwickelt haben als umsatzstarke Unternehmen. Das wirkt sich entsprechend auf den Gesamtmarkt aus.
Industrie und Automotive dämpfen den Markt
Die größte wirtschaftliche Belastung kommt in Deutschland aus dem industriellen Segment. Die Automobilindustrie – traditionell einer der wichtigsten Abnehmer von Zeitarbeitskräften auf dem deutschen Markt – steckt weiterhin in einer tiefgreifenden Transformation. Elektromobilität, Lieferkettenprobleme, der Wettbewerb aus Asien und auch die geopolitischen Konflikte belasten die Produktion und damit die Nachfrage nach gewerblichen Zeitarbeitskräften erheblich. Auch im Maschinenbau und in der Elektronikindustrie bleibt die Stimmung gedämpft.
Rückläufig ist die Nachfrage vor allem in Bereichen, in denen Routinetätigkeiten zunehmend durch Automatisierung und KI substituiert werden – das betrifft einfache Verwaltungsberufe ebenso wie standardisierte Produktionstätigkeiten.
Wachstumssignale aus IT, Healthcare und Engineering
Während das gewerbliche Segment schrumpft, zeigen sich in anderen Bereichen Wachstumssignale. IT und digitale Berufe sind strukturell gefragt: Unternehmen suchen Zeitarbeitskräfte mit Kenntnissen in Cloud-Infrastruktur, Cybersecurity, Softwareentwicklung und KI-Anwendungen. Hier übersteigt die Nachfrage das Angebot deutlich. Healthcare und Pflege bleiben ein stabiler Wachstumsmarkt, da der demografische Wandel und der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen für eine anhaltend hohe Nachfrage nach Pflegefachkräften und medizinischen Fachangestellten sorgen. Engineering-Berufe in den Bereichen Erneuerbare Energien und Infrastruktur gewinnen ebenfalls an Bedeutung, auch wenn das Segment durch die Baukrise vorübergehend gebremst wurde.
Wachstumsmärkte im globalen Vergleich
Der globale Zeitarbeitsmarkt zeigt 2025 ein deutlich gespaltenes Bild – und Deutschland steht dabei auf der schwächeren Seite. Die Trennlinie verläuft dabei weniger entlang geographischer Grenzen als entlang wirtschaftlicher Strukturen: Märkte mit einem hohen Anteil an Dienstleistungen, Technologie und wachsender Binnennachfrage entwickeln sich positiv, während Märkte, die stark von klassischer Industrieproduktion abhängen, unter dem globalen Strukturwandel in der Fertigung und einer gedämpften Investitionsbereitschaft leiden.
Die stärksten Wachstumsimpulse kommen aus dem asiatisch-pazifischen Raum und aus Südeuropa. Auch Schwellenmärkte wie Indien entwickeln sich positiv.
Zeitarbeitsunternehmen passen sich an neue Rahmenbedingungen an
Der deutsche Zeitarbeitsmarkt befindet sich in einem tiefgreifenden Strukturwandel. Die Entwicklung ist negativ – aber sie ist nicht gleichmäßig verteilt. Trotz des schwierigen Umfelds besteht weiterhin Nachfrage nach spezialisierten Fachkräften in Wachstumssektoren, denn der Fachkräftemangel besteht nach wie vor. Die großen Zeitarbeitsunternehmen reagieren mit Spezialisierung, Digitalisierung und einer Neuausrichtung weg vom reinen Volumengeschäft hin zu höherwertigen Dienstleistungen.
Wie sich die Top 25 der deutschen Personaldienstleister 2025 vor den Hintergründen des beschriebenen Strukturwandels entwickelt hat, zeigt die neue Lünendonk-Liste „Führende Zeitarbeitsunternehmen in Deutschland“, die voraussichtlich am 12. Mai 2026 erscheinen wird.