Sind die fetten Jahre nun vorbei? Was die schwächelnde Wirtschaft dem Consulting-Geschäft anhaben kann

14.05.2024 – Mindelheim

Die deutsche Wirtschaft tritt weiterhin auf der Stelle. Für das Jahr 2024 ist laut aktueller Prognose der Bundesregierung mit mageren 0,3 Prozent Wirtschaftswachstum zu rechnen. Der Consulting-Branche konnte das bisher wenig anhaben – ganz im Gegenteil. Nach der Wachstumsdelle im Pandemiejahr waren zweistellige Umsatzzuwächse bei den Beratungsunternehmen allgegenwärtig. Themen wir ESG und Digitalisierung sowie Restrukturierung, Sanierung und Transformation sorgten für volle Auftragsbücher, auch oder gerade wegen der schleppenden Konjunktur. Im Rekordjahr 2022 legte die Consulting-Branche hierzulande um rund 15 Prozent zu.

Global Player im Consulting wachsen nur noch einstellig

Erste Stimme unken nun: Die fetten Jahre sind vorbei. Der Branchenprimus unter den Strategieberatungen, McKinsey, verzeichnete zuletzt weltweit nach vielen Jahren deutlichen Wachstums lediglich ein moderates einstelliges Umsatzplus. Auch die globale Nummer zwei, die Boston Consulting Group (BCG), steigerte ihren Umsatz 2023 nur noch um fünf Prozent auf 12,3 Milliarden Dollar. Bei BCG waren ebenfalls Jahre mit zweistelligem Wachstum vorausgegangen. Doch zeichnet sich der Trend der Branchengrößen gleichermaßen für die anderen Dienstleister im Consulting-Markt ab, und spiegeln die globalen Zahlen auch die Entwicklung auf dem deutschen Beratungsmarkt wider?

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Nicht unbedingt: Tatsächlich scheinen die rückläufigen Zahlen der Global Player vor allem auf eine weniger dynamische Geschäftsentwicklung in den USA und Asien zurückzuführen zu sein. Erste Geschäftszahlen international agierender Beratungen, die ihren Schwerpunkt in Europa haben, weisen auch 2023 deutlich nach oben. Horváth beispielsweise hat auch im vergangenen Jahr 2023 ein zweistelliges Umsatzplus eingefahren. Die Consultants aus Stuttgart durchbrachen erstmals die 300-Millionen-Euro-Marke und legten um 13 Prozent zu. Auch zeb consulting erhöhte die Umsätze von 200 auf mehr als 220 Millionen Euro.

BDU sieht deutschen Consulting-Markt weiterhin auf dynamischem Wachstumskurs

Der Bundesverband Deutscher Unternehmensberatungen (BDU) konstatiert für 2023 mit einem Umsatzplus von 7,2 Prozent auf 46,7 Milliarden Euro zwar ebenfalls ein etwas moderateres Wachstum des deutschen Beratungsmarkts. Die Branche bleibt jedoch weiterhin dynamisch und auf Wachstumskurs. Für das aktuelle Jahr 2024 erwartet der BDU ein Umsatzplus von 9,8 Prozent. Die aktuelle Geschäftslage wird vom Großteil der befragten Beratungen – immerhin 86 Prozent – als über Budget oder im Plan beurteilt. Vor allem mittelgroße Häuser und Sanierungsberatungen beurteilen ihre Lage als gut. Und auch der Blick in die Zukunft ist durchaus optimistisch: 85 Prozent geben die Geschäftsaussichten als über Budget oder gleichbleibend an. Damit sind die Prognosen positiver als noch im Vorquartal, als lediglich 81 Prozent dieser Meinung waren.

Transformationsbedarf der deutschen Wirtschaft sorgt weiterhin für volle Auftragsbücher

Besonders optimistisch blicken die Sanierungsberatungen auf ihr künftiges Business, gefolgt von HR- und IT-Beratungen. Hier zeigt sich, wo die Kundenunternehmen der Schuh am meisten drückt. Sie müssen sich neu formieren, um erfolgreich in die Zukunft zu gehen. Gleichzeitig bleiben der Fachkräftemangel und der Wettbewerb um die besten Talente ebenso wie die unaufhörlich fortschreitende Digitalisierung bestimmende Herausforderungen, für die hoher Beratungsbedarf besteht.

Anzunehmen ist: Setzen die Beratungen auf die richtigen Themen, dürften die fetten Jahre nicht vorbei sein. Zu groß ist der Transformationsbedarf der deutschen Wirtschaft, und zu schnell revolutionieren neue Trends wie die Künstliche Intelligenz oder ESG den Alltag der Unternehmen. Die Expertise der Beratungen wird weiterhin hoch im Kurs sein.

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Jörg Hossenfelder

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