Von der Vertragsform zu Blue und White Collar: Die veränderte Struktur in den assistierenden Personaldienstleistungen

16.01.2020 – Mindelheim

Ein Jahresausblick

Bis zur Reform des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes in 2017 waren die Fronten klar: Hochqualifizierte Experten arbeiteten überwiegend als Freelancer über Dienst- oder Werksverträge im Kundeneinsatz – in der IT, als Ingenieur oder als Berater. Vermittelt wurden die Selbstständigen häufig über Agenturen oder Plattformen. Der Bedarf nach temporären gewerblichen Arbeitnehmern erfolgte auf Grundlage des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes als Zeitarbeiter. Diese Aufteilung war nicht trennscharf, aber mit Ausnahmen und für einen wesentlichen Teil des Marktes zutreffend.

Mit der AÜG-Reform wurde das rückwirkende Abschließen eines Arbeitnehmerüberlassungsvertrages ausgeschlossen. Erkannte ein Gericht, dass die Tätigkeit des Freelancers über einen Werk- oder Dienstvertrag den gesetzlichen Anforderungen nicht entsprach, wurde er zu einem festangestellten Arbeitnehmer des beauftragenden Unternehmens inklusive rückwirkend zu entrichtender Abgaben zur Sozialversicherung, Kündigungsschutz, Urlaubsanspruch sowie rechtlicher Konsequenzen. Immer weniger Auftraggeber sind bereit, dieses Risiko einzugehen.

Die Folgen für den Markt der Personaldienstleistungen sind weitreichend: Wenn nun beispielsweise immer mehr IT-Freelancer aufgrund der Gesetzeslage in die Zeitarbeit gedrängt werden, dann verliert die bisherige und oben beschriebene Marktsegmentierung an Bedeutung. Das ist relevant, da der Einkaufsprozess für White-Collar- und Blue-Collar-Arbeitnehmer unterschiedlich abläuft und auch auf Seiten des Dienstleisters die Prozesse verschieden sind.

Aus diversen Gründen, die nicht zuletzt in der historischen Marktstruktur ihren Ursprung haben, bevorzugen entleihende Unternehmen mehrheitlich unterschiedliche Unternehmen für gewerbliches und hochqualifiziertes Personal. Nicht zuletzt deshalb sind gerade die führenden Dienstleister, die bereits heute viele Aspekte des Personalbedarfs aus einer Hand anbieten, mit mehreren Gesellschaften mit eigenem Markenauftritt am Markt vertreten.

Was bedeutet das nun für die kommenden Jahre? Lünendonk wird die assistierenden Personaldienstleistungen künftig stärker zusammen beobachten und stärker entlang des Qualifizierungsniveaus differenzieren. Diese Perspektive ermöglicht eine differenziertere Gesamtmarktbetrachtung. In der (fach-)öffentlichen Wahrnehmung dominiert der Nachfrageeinbruch in der Industrie, darunter insbesondere in der Automobilindustrie. Die Prognosen zeigen, dass die Nachfrage nach qualifizierten Facharbeitern und Handwerkern weiterhin stark und die Nachfrage nach hochqualifizierten Spezialisten – etwa IT-Freelancern – ungebrochen ist.

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Ansprechpartner

Thomas Ball

Facility Management & Instandhaltung, Zeitarbeit
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