KPMG steht Adler Group nicht mehr als Wirtschaftsprüfer zur Verfügung

30.05.2022 – Mindelheim

Es ist ein weiterer Paukenschlag für die Adler Group! Erst verweigerte KPMG dem Immobilienkonzern für 2021 das Testat und erteilte dem Jahresabschluss einen Versagungsvermerk. Nun kündigten die Abschlussprüfer des Big-Four-Hauses an, dem Unternehmen künftig nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Die ohnehin schon nervösen Anleger reagierten sofort – der Börsenwert der Adler Group ging auf Talfahrt.

KPMG verweigert Adler Group Testat und BaFin stellt Strafanzeige

Voraus ging dem Ganzen im Oktober 2021 ein Bericht des britischen Leerverkäufers Fraser Perring, in dem er dem Konzern unter anderem mangelhafte Bilanzierungsmethoden und eine teils künstlich überhöhte Bewertung von Immobilien vorgeworfen hatte. In einer anschließenden Sonderuntersuchung werteten Mitarbeiter der KPMG Forensic 678 Gigabyte Daten und über 3 Millionen E-Mails aus. Einige Vorwürfe des Briten wurden entkräftet, jedoch nicht alle. Zu weiteren rund 800.000 angeforderten Dokumenten wurde den Prüfern kein Zugang gewährt, so dass sie sich nicht in der Lage sahen, relevante Sachverhalte angemessen bewerten zu können. Der Fall rief schließlich auch die BaFin auf den Plan, die aktuell die Bücher des Immobilienkonzerns genauer unter die Lupe nimmt. Inzwischen haben sich auch der Finanzausschuss des Bundestags sowie die Staatsanwaltschaft Frankfurt eingeschaltet.

Adler strebt für 2022 uneingeschränktes Testat an

Ende April hatte Adler trotz der Verweigerung des Testats durch KPMG Bilanzzahlen für 2021 vorgelegt. Unter dem Strich stand wegen Abschreibungen ein Milliardenverlust. Stefan Kirsten, ehemals Vonovia-CFO und seit Mitte Februar 2022 amtierender Verwaltungsratsvorsitzender der Adler Group, bemüht sich nun um Schadensbegrenzung. Für 2022 strebe er wieder ein uneingeschränktes Testat an – bestehende Hindernisse wolle Kirsten dafür schnellstmöglich aus der Welt schaffen. Ein Auswahlverfahren zur Bestellung eines neuen Abschlussprüfers ist bereits in die Wege geleitet.

Nichtsdestotrotz stellt der Fall Adler einen weiteren Reputations-Fall für die Wirtschaftsprüfung dar. Die Branche kommt nicht zur Ruhe.

Foto: Alexey Novikov - stock.adobe.com

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