ESG in der Wirtschaftsprüfung: Wie relevant ist das Thema Nachhaltigkeit?

30.05.2022 – Mindelheim

Environmental Social Governance (ESG) ist in aller Munde – und wird zunehmend auch von den WP-Gesellschaften für sich entdeckt. Relevant ist das Thema ESG nicht nur im Consulting-Bereich, wo Kunden verstärkt auf externe Expertise für die erfolgreiche Umsetzung ihrer Nachhaltigkeits- und Governance-Strategien setzen. Auch im Bereich Auditierung dürfte die WP-Gesellschaften eine Nachfragewelle erwarten, wenn 2023 die nicht-finanzielle oder ESG-Berichterstattung für mehr Unternehmen verpflichtend wird. Die Gretchenfrage dieser Tage lautet: wie halten es die Prüfgesellschaften tatsächlich mit der Nachhaltigkeit.

Fokusthema ESG in der Lünendonk-Studie zur Wirtschaftsprüfung

Lünendonk widmet dieser Frage ein Sonderkapitel in der Lünendonk-Studie 2022 „Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung in Deutschland“, die Mitte August veröffentlicht wird. Erste Ergebnisse ermöglichen bereits eine Einschätzung, welche Schlüsse WP-Beratungen aus ihren Mandantenanfragen ziehen und wie sie den Markt für ESG-Beratung und -Auditierung einschätzen.

61 Prozent der befragten Studienteilnehmer stimmen der Aussage zu, dass die Projektvolumina ihrer Kunden im Bereich ESG (noch) gering seien. Allerdings erwarten 46 Prozent der Prüfgesellschaften signifikante Umsatzsteigerungen im Hinblick auf die nicht-finanzielle Berichterstattung der Unternehmen. Wenn auch große Umsätze mit Nachhaltigkeitsprojekten noch nicht vorhanden sind, so wird hier doch Potenzial gesehen. Ebenso sehen die befragten Unternehmen eine Relevanz des Themas ESG im Einkaufsprozess: 39 Prozent bestätigen, dass sie beim Procurement vermehrt auf eigene ESG-Aktivitäten eingehen müssen. 45 Prozent berichten, dass die Mandanten im Beschaffungsprozess Wert auf externe ESG-Expertise legen. Kritische Stimmen, dass der Fokus auf ESG den Blick auf andere wesentliche Investitionen negativ beeinflusst, werden von lediglich 7 Prozent der Studienteilnehmer geteilt. Das Thema Nachhaltigkeit genießt also Rückhalt unter den Prüfgesellschaften.

Anteil von Projekten mit ESG-Bezug noch im niedrigen einstelligen Bereich

Nur durchschnittlich 2,6 Prozent der Projekte, die WP-Gesellschaften für ihre Kunden umsetzen, weisen 2021 einen ESG-Bezug auf. Die drei Facetten Environmental, Social und Governance schlagen sich dabei in unterschiedlichem Maße in den ESG-Umsätzen nieder: Der größte Anteil entfällt mit 42,2 Prozent auf Governance, gefolgt von 30,1 Prozent Environmental und 27,6 Prozent Social.

Die Frage, welchen Stellenwert ESG bei den WP-Gesellschaften selbst hat, bleibt hier noch unbeantwortet – die Lünendonk-Studie wird dazu im August Erkenntnisse liefern. Als Teil der Studie erscheint bereits am 6. Juli 2022 die Lünendonk-Liste der führenden Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungs-Gesellschaften in Deutschland.

Foto: Elnur - stock.adobe.com

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