Engineering und IT können nicht mehr getrennt voneinander betrachtet werden

Jonas Lünendonk im Gespräch mit Florian Spelz, Leiter Geschäftsfeld Freelance bei Ferchau GmbH

25.11.2020

Ferchau_Florian_Spelz

Florian Spelz

Leiter Geschäftsfeld Freelance,
FERCHAU GmbH

Jonas Lünendonk - Managementberatung - Lünendonk & Hossenfelder

Jonas Lünendonk

Geschäftsführender Gesellschafter,
Lünendonk & Hossenfelder GmbH
JONAS LÜNENDONK: Ferchau ist einer der größten deutschen Personaldienstleister für IT- und Engineering-Fachkräfte. Welche Rolle spielen in diesem Zusammenhang IT-Freelancer für Ihr Geschäft und welche Trends sehen Sie?
FLORIAN SPELZ: Unsere Kontakte und die langjährige erfolgreiche Zusammenarbeit mit Unternehmen aller technischen Branchen und Größenordnungen ist die Basis unseres Freelancer-Geschäfts. Seit der Gründung von Ferchau tragen Freelancer zu unserem stetigen Wachstum bei. Die Nachfrage im Engineering-Bereich war vor einigen Jahren ähnlich hoch wie die nach IT-Freelancern heutzutage. Daher sind wir über die Zeit evolutionär im IT-Markt gewachsen. Für uns ist die Vermittlung von IT-Freelancern immer wichtiger geworden und gehört zu unseren Wachstumsfeldern.
Sie haben nach Trends gefragt: Die Weiterentwicklung von Collaboration-Tools und -Services, der gesamte Cloud-Bereich und die Automatisierung, hier speziell Robotic Process Automation (RPA), sind aus meiner Sicht aktuelle Trendthemen, die auch im kommenden Jahr 2021 weiter im Fokus stehen werden. Gerade im Bereich RPA sehen wir bereits ein starkes Interesse bei unseren Kunden.
JONAS LÜNENDONK: 2019 zählte Ferchau im IT-Freelancer-Markt zu den wachstumsstärksten Unternehmen. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?
FLORIAN SPELZ: Freelancer spielen oft eine entscheidende Rolle und sind das fehlende Puzzleteil. Das haben wir erkannt und konnten so in diesem Segment um 11,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr wachsen. Zudem haben wir unsere internen Prozesse und Strukturen neu aufgestellt. Hinzu kommt, dass unsere eigens für Freelancer entwickelte Web-Applikation Ferchau Freelance immer stärker angenommen und genutzt wird. Dadurch hatten wir sowohl im Bereich Sales als auch auf Recruiting-Seite eine wechselseitige Hebelwirkung in den Markt.
JONAS LÜNENDONK: In welchen Branchen ist der Bedarf an IT-Freelancern derzeit besonders hoch? Und sehen Sie eine Konvergenz von IT- und Engineering-Services?
FLORIAN SPELZ: Der Bedarf ist schon seit geraumer Zeit im Industriesektor sehr hoch. Besonders die Branchen Chemie und Pharma wachsen stark. Aber auch der Informations- und Telekommunikationssektor fragt speziell bei Personaldienstleistern nach Freelancer-Ressourcen. Dies liegt u. a. an deren starken Wachstumsraten im öffentlichen Sektor. Zu Ihrer zweiten Frage: Engineering und IT können nicht mehr getrennt voneinander betrachtet werden. Viele Prozesse gehen ineinander über und gerade durch agile Teams gibt es eine immer stärkere Verschmelzung. Die Trennschärfe ist somit nicht mehr in Gänze vorhanden, was Dienstleistern für IT und Engineering wie Ferchau natürlich in die Karten spielt.
JONAS LÜNENDONK: Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise auf Ihre Kunden und die Projektumsetzung?
FLORIAN SPELZ: Wir arbeiten mit vielen großen und bekannten Unternehmen zusammen und sind natürlich auch dort von Projektbudgets abhängig. Die Krise hat die meisten Firmen völlig unerwartet getroffen und erst mal zu starken Einbrüchen in einigen Branchen geführt. Inzwischen gewinne ich aber den Eindruck, dass die Unternehmen die Situation akzeptiert haben und nun die richtigen Weichen für die Zukunft stellen. Gerade die IT-Themen ziehen wieder stark an und haben durch die Krise an Bedeutung gewonnen. Viele Projekte wurden für einen gewissen Zeitraum unter-, aber eben nicht abgebrochen. Die Freelancer stehen in den Startlöchern, um die angefangenen Aufträge abzuschließen oder neue Projekte zu starten.
JONAS LÜNENDONK: Welche Vorteile haben IT-Freelancer, wenn sie mit Ferchau zusammenarbeiten?
FLORIAN SPELZ: Auf dem Weg zur Zusammenarbeit haben unsere Freelancer bereits die Möglichkeit, sich über den digitalen Weg mittels unseres Freelance-Portals oder über den klassischen analogen Weg für uns zu entscheiden. Wir bieten verschiedene Modelle der Zusammenarbeit: Honorare auf Stundenbasis, Kapazitätsvereinbarungen, Festpreise auf Projektbasis oder auch die Anwendung des Schweizer Modells. Projekte mit uns sind für Freelancer kalkulierbar, sicher und gering im Organisationsaufwand. Das gewährleisten wir durch exakte Briefings, hohe Qualitätsstandards und die Übernahme der gesamten Administration. Bei der Projektplanung achten wir auf eine rechtssichere Abwicklung unserer gemeinsamen Dienst- und Werkverträge. Hierfür sind wir sogar DEKRA-zertifiziert. Während des Projekts haben wir dann durch unsere über 100 Niederlassungen eine enorm hohe bundesweite Präsenz und stellen damit besonders die Betreuung unserer Freelancer vor Ort sicher. Über unser großes Netzwerk lassen sich zudem oft direkt Folgeaufträge für die Freelancer generieren, wovon beide Seiten profitieren.
JONAS LÜNENDONK: Vielen Dank für das Gespräch.

Über FLORIAN SPELZ, Leiter Geschäftsfeld Freelance bei FERCHAU:

Florian Spelz begann 2011 seine Karriere direkt in der Personaldienstleistungsbranche. Er hat sich durch unterschiedliche Stationen im Retail-Vertrieb wie auch im Key Account Management in der Personaldienstleisterbranche ein umfangreiches Know-how erarbeitet. Seit 2019 hat er die Leitung des Geschäftsfelds Freelance bei Ferchau inne.

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